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Berichte aus dem Bereich Mies-Pilsen



Der „Hradzner Doktor“

(Zusammengestellt nach Mitteilungen von H. Kaiser (Mies/ Pilsen) und nach Heimatbriefen Mies-Pilsen von F.Volk)

Am 26. Mai 2012 wurde in Hradzen eine Gedenktafel für Dr. Wilhelm Linhart und seine Vorfahren am ehemaligen Sanatorium eingeweiht. Damit ehrten die neuen Bewohner unserer Heimat eine Ärzte- und Heiler-Dynastie, die in und um Hradzen rund 300 Jahre segensreich gewirkt hat.

Vor der Enthüllung  der Gedenktafel  fand eine Kranzniederlegung auf dem Friedhof am  renovierten Grabmal der Familie Linhart statt. Die Enthüllung wurde von Frau Terelmesova aus Dobrzany/ Wiesengrund unter Beteiligung der Bevölkerung vorgenommen; sie ist Abgeordnete der Oberen Kammer des Prager Parlaments. Zwei festlich uniformierte Männer der freiwilligen Feuerwehr von Hradzen standen dabei Ehrenwache. Anschließend gab es noch ein Volksfest für die Bevölkerung der Gemeinde.

Linhatr6a   Linhart7   Linhart 8 

                 Gedenktafel Dr Linhart                                                  Grabmal Familie Linhart (Friedhof Hradzen)              Linhart-Eiche  (Fotos von Herrn Kaiser)

Die Beschriftung der Gedenktafel lautet: ( schade, dass sie nicht auch in deutscher Sprache ausgeführt wurde!)
Die Mediziner-Familie Linhart arbeitete in Hradzen und Umgebung von 1677 bis 1955. Dr. med Wilhelm Linhart gründete in diesem Haus ein Sanatorium. Zur ständigen Erinnerung gewidmet von der Gemeinde Hradzen. 

Die Linhart-Eiche wurde von der Familie Linhart im Jahr 1908 anlässlich der Hochzeit gepflanzt und  steht noch immer in voller Pracht.

Wahrscheinlich sollte mit der Ehrung auch etwas gutgemacht werden, denn Dr. Wilhelm Linhart wurde 1946 in Hradzen zurückgehalten, weil man auf sein medizinisches Können und seine kleine Privatklinik in Hradzen nicht verzichten wollte. Die Klinik hatte sein Großvater auf die Hofstelle Nr. 43 erbaut und wurde von ihm 1910 modernisiert. Sie war auch nach 1945 das einzige Krankenhaus im mittleren Radbusatal, und bei einer Schließung wären nur Mies oder Pilsen geblieben. Im Jahre 1947 war Dr. Linhart dennoch für die Aussiedlung vorgesehen. Als bereits alle Koffer gepackt waren, protestierten die Bergleute. Sie weigerten sich einzufahren, um das Bleiben „ihres“ Arztes zu erzwingen. Obwohl Dr. Linhart damals schon im 69. Lebensjahr stand, fügte er sich mit seiner Frau Mathilde dem Schicksal. Wenigstens durfte er in seinem Haus bleiben. Da man ihm sein Auto genommen hatte, machte er seine Krankenbesuche zumindest anfangs teilweise mit dem Pferdewagen. Im Jahre 1953 konnte Dr. Linhart sein goldenes Doktorjubiläum feiern, das auch von tschechischer Seite zum Anlaß für Ehrungen genommen wurde. So spendete man ihm und seiner Frau einen kostenlosen Kuraufenthalt in Marienbad.

Trennung von der Familie

Dr. Wilhelm Linhart hatte vier Geschwister. Hedwig (verehelichte Schmitt-Troppschuh), Anna (verehelichte Loos), Dr. Adolf Linhart und Dr. Otto Linhart. Adolf war Primarius in Plan und Otto Distriktarzt in Ronsberg. Die beiden Schwestern Wilhelms waren nach Bayern vertrieben worden und hielten brieflich Kontakt. Auch so manches Geschenkpaket mit Westware erreichte den Bruder in Hradzen.

Am meisten litt Dr. Linhart aber unter der Trennung von seinen beiden Töchtern Herta und Traudl, die in Wien bzw. in München lebten. Seine Schwester Hedwig berichtete von schweren inneren Kämpfen, als er 1947 von der Aussiedlung zurückgestellt wurde. Noch 1954 war sein „sehnlichster Wunsch“, ein Wiedersehen mit seinen Töchtern. Doch es kam anders. Am 15.2.1955 starb Dr.Wilhelm Linhart während seiner Ordinationsstunden im 77. Lebensjahr.

Trauerfeiern auf beiden Seiten der Grenze

Das Leichenbegängnis in Hradzen war sehr feierlich, wie beigegebenes Foto zeigt. Drei mal drei Männer flankierten den Sarg. Zwei Priester und drei Ministranten sind zu erkennen. Die Kirchendienerin, eine deutsche Frau, ging neben dem Priester. Die Nachricht vom Tod ihres „Hradzner-Doktors“ verbreitete sich rasend schnell auch in Westdeutschland. Bereits am 20.März 1955 fanden sich rund 250 Landsleute zu einer Trauerfeier in Nürnberg ein. Man versammelte sich vor der St. Martinskirche und betrat sie beim Klang des Kirchengeläutes. Die Gedenkstunde wurde von H.H. Pfarrer Kraus, ehemals Staab, gestaltet. Anschließend traf man sich in der Gaststätte des Landsmannes Dobner. Der Festsaal war mit Fotos des Verstorbenen geschmückt, und der Abg. Seifert sowie Dr. Plail (Burschenschaft Albia) ergriffen noch einmal das Wort.

Volkstümlicher Arzt und Dichter!

Dr. W. Linhart war ein volkstümlicher Arzt und ein Wohltäter. Seine Honorarforderung richtete sich weitgehend nach der Leistungsfähigkeit des Patienten. Seine Patientengespräche führte er selbstverständlich in der heimatlichen Mundart. Fast gar nicht bekannt ist sein dichterisches Schaffen. Hans Lieber (Wellana) hat darüber 1970 im Heimatbrief Mies-Pilsen berichtet (S. 155ff.). Dr. Linhart schrieb unter dem Pseudonym Peter Leonhard mehrere Theaterstücke in Mundart. Peter war sein Name in der Burschenschaft „Albia“, und Leonhard ist offensichtlich angelehnt an Linhart. Die Titel seiner Werke lauteten „s`Kuraschitrankl“, „Da Ra(o)utscheck“, „Die Goethefeier“, „Da Oahnl“ usw.

Genealogie

Mit Dr. Wilhelm Linhart sank der letzte Sproß einer alten Ärzte- und Heiler-Dynastie unserer Heimat ins Grab. Der Heimatbrief Mies-Pilsen druckte zweimal eine Liste seiner Vorfahren ab (1950, Folge 2, S. 15 f. und 1955, S. 116 f.). Sie folgt streng dem Hradzner Kirchenbuch und enthält folgende Namen:

1. Mathias Linhart, Gemeindehirt in Hradzen, 1734 mit 89 Jahren in Hradzen verstorben. Daraus folgt als Geburtsjahr 1645. Als Geburtsort gilt Radlstein. Die Sippe soll aus Franken eingewandert sein.

2. Jacob Linhart, Gemeindehirt in Hradzen, 1677-1745;

3. Bartholomäus Linhart, Häusler in Hradzen, 1700-1758;

4. Paul Linhart, Häusler und angesehener „Beinbruchheiler“, 1738-1820; erwirbt Hof Nr. 43, das spätere Spital.

5. Josef Linhart, 1782-1833, lernte bei einem Pilsner Chirurgen und war bei den anderen Ärzten anerkannt. Nach seinem Tode führte seine Witwe, Maria Anna, geb. Helm aus Nedraschitz, drei Jahre lang zur vollen Zufriedenheit der Patienten die Praxis fort, bis Sohn Anton sein Studium in Prag abgeschlossen hatte;

6. Anton Linhart, 1815-1883, hatte schon ein Diplom und baute 1855 das „alte Spital“ mit 55 Betten..

7. Anton Linhart, 1850-1901, war der erste Dr. med. und war berühmt bis nach Bayern.

8. Wilhelm Linhart, 1878-1955, Dr. med.; er erweiterte 1910 das Spital und stattete es mit neuester Medizintechnik aus, einschließlich Röntgengerät. Durch regelmäßige Teilnahme an medizinischen Fachtagungen zeigte er sich den umliegenden Krankenhäusern ebenbürtig, oft sogar überlegen.

Wilhelms Brüder Otto und Adolf, ebenfalls Ärzte, starben 1934 bzw. 1951.

   Beerdigung linhart 1     Beerdigung Linhart 2

                                                           Beerdigung Dr. Linhart im Februar 1955 in Hradzen

   Haus Linhart    Linhart

                       Spital Dr. Linhart in Hradsen Nr. 43                                         Dr. Linhart mit Frau in Marienbad 1953


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Prof. Dr. Peter Grünberg, Nobelpreisträger für Physik 2007 ,wurde am 18.5.1939 in Pilsen, das damals zum Protektorat gehörte, geboren und wohnte mit seinen Eltern und einer zwei Jahre älteren Schwester bis 1945 in Dysina bei Pilsen. Sein Vater Theodor Grünberg war russischer Emigrant und arbeitete seit 1928 als Diplomingenieur bei Skoda. Ende 1939 nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an. Am 27.11.1945 starb er in tschechischer Haft. Die Mutter hieß Anna Petermann und stammte aus Untersekerschan im Kreis Mies, wo sie als Witwe 1945 bei ihrem Vater, dem Schreiner Peter Petermann, Zuflucht suchte. Mit der Dorfgemeinschaft Untersekerschan wurde sie 1946 nach Frischborn in Osthessen vertrieben. Ihr Sohn Peter wurde hier mit einem Jahr Verspätung eingeschult, machte 1959 das Abitur und studierte in Frankfurt und Darmstadt Physik.
Die Mutter lebte bis 2002 in Lauterbach und übersiedelte dann zu ihrem Sohn nach Jülich, wo sie mit 100 Jahren starb. Die Sippe Petermann kam um 1850 in den Kreis Mies und hat ihre Wurzeln in Preitenstein im südlichen Kreis Luditz.

Prof. Dr. Peter Grünberg ist Festkörperphysiker und befaßte sich an der Forschungsstätte Jülich anscheinend zweckfrei mit den Eigenschaften dünner Metallschichten. 1988 machte er mit dem Riesenmagnet-Widerstand eine der nützlichsten Entdeckungen der modernen Industriegeschichte, denn sie ermöglichte erst die Miniaturisierung des gesamten Computerwesens. Die Verleihung des Nobelpreises für Physik 2007 war die logische Folge davon. Den Preis teilt sich Prof. Grünberg mit seinem französischen Kollegen Prof. Fert.
Mit der Verleihung der Ritter von Gerstner-Medaille hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft Professor Grünbergs Leistung bereits im Jahre 2003 gewürdigt. Sie ist, einschließlich der vier Ehrendoktorate, eine von 18 Auszeichnungen, die dieser bisher entgegennehmen konnte.

Die Bewohner des Heimatkreises Mies-Pilsen gratulieren Dr. Peter Grünberg zum Nobelpreis und sind stolz, daß er einer aus ihren Reihen ist.                                                                                                                                                                                                                                      F. Volk

Grünberg

Zu den Bildern:
a) Luftaufnahme von Untersekerschan, Kreis Mies, mit Hinweis auf das Elternhaus der Mutter Anna Petermann

Untersekerschan1

b) Ausschnitt aus der Bronzetafel vom Massengrab am Zentralfriedhof in Pilsen mit dem Namen des am 27.11.1945 in tschechischer Haft umgekommenen Vaters des Nobelpreisträgers, Grünberg Theodor. Er war einer der 437 bis jetzt namentlich bekannten Pilsner Deutschen, die damals ums leben kamen.

Tafel Pilsen

 

c) Wohnhaus Petermann in Untersekerschan.

Untersekerschan2      

d) Der Ort Dysina bei Pilsen.

Dysina

 



Der Architekt Karl Ernstberger
von F.Volk anlässlich einer Ausstellung in Dinkelsbühl 2012

Am 25. September 2012 gedachten wir des 125. Geburtstages von Architekt Karl Ernstberger. Er war ein Bruder des Historikers Prof. Dr. Anton Ernstberger.

Karl Ernstberger wurde in Mallowitz bei Mies geboren und besuchte die Volksschule in Welperschitz. Anschließend war er Schüler der Bürgerschule in Kladrau, ehe er zur Bauabteilung der deutschen Realschule in Pilsen ging. In der Folge studierte er vier Jahre lang in Wien bei Prof. Otto Wagner, arbeitete im Atelier Leopold Bauers und wagte 1913 den Schritt in die Selbständigkeit.

Diese Entwicklung unterbrach der Krieg, den er an der Front in den Reihen der Kaiserjäger erlebte. Bei Kriegsende wurde er schon im Range eines Oberleutnants Chef der Bauabteilung seines Regiments und begann den Bau des Denkmals für die Kaiserjäger in Bozen, das die Italiener nach dem Kriege aber abrissen.
Ernstberger kehrte nach Mies zurück und eröffnete gemeinsam mit seinem Bruder Josef ein Architekturbüro. Zahlreiche Bauten in und um Mies gehen auf ihn zurück.
Ernstberger wird auch von der tschechischen Architekturforschung geschätzt. So fand er mit mehreren Gebäuden Aufnahme in dem Band „Slavne Vily Plzenskeho kraje (Berühmte Villen im Kreis Pilsen) von Ulrich/Domanicky u.a. Dieses Buch gehört zu einer Reihe von Werken, mit der die tschechische Geschichtsforschung die Architektur ganz Böhmens Region für Region systematisch erfasst. Eine Spezialuntersuchung zu Karl Ernstberger führt der Museumsleiter von Falkenau, Herr Dr. Rund, durch. Wir konnten zu ihm Kontakt aufnehmen und verdanken ihm einige interessante Details zu der in Dinkelsbühl gezeigten Ausstellung. Die Hauptarbeit für diese Ausstellung leistete allerdings Herr Kaiser, Mies, der uns alle Fotos besorgte und darüber hinaus dabei ist, in Zusammenarbeit mit den örtlichen Bauämtern besonders im südlichen Kreis Mies (Staab, Chotieschau usw.) weitere Ernstberger-Bauten aufzuspüren.
Diese Arbeit können wir nur begrüßen, denn sie erinnert immer wieder an die deutsche Geistesarbeit in diesem Raum und an die künstlerische Gestaltungskraft unserer Vorfahren. Da wir aber von diesen Werken getrennt leben müssen, besteht freilich auch die Gefahr, daß sie von den jetzigen Bewohnern unserer Heimat für sich vereinnahmt werden.
Beispiele von Werken Ernstbergers
Villa Plan    Villa Titania
              Villa in Plan                                                                            Villa Titania in Karlsbad


Invalidenkino
            Invaliden- Kino in Mies


Beim Wagner Frei in Untersekerschan (aufgeschrieben von Gerhard Frei)

Von Juni 1945 bis zur Aussiedlung im Mai 1946 wohnten wir bei unserer Omama in Obersekerschan, da wir  in der Teinitzler Schule nicht mehr sicher waren wegen der herumstreunenden tschechischen Partisanen.
Unter den Tschechen gab es für uns deutsche Kinder - ich war damals 12 Jahre alt -  keine Schule. So nutzte ich sehr oft die Gelegenheit, meinen Großvater in Untersekerschan  zu besuchen; über den Wiesenweg waren es gerade mal 15 Minuten. Im Dorf nannte man es bei ihm „beim Wogner“; somit war ich fortan der „Wognerbou“.
Großvater war ein stattlicher  freundlicher Mann, der damals 64 Jahre alt war aber noch voll seinen Beruf in seiner Wagner - Werkstatt ausübte. Hof und Betrieb waren zwar längst übergeben, doch war Onkel Ernst im Krieg bzw. in Gefangenschaft. Ich war damals 12 Jahre alt und war stolz, dass ich Großvater bei seiner Arbeit helfen durfte. So habe ich durch Zusehen und Mithelfen sehr viel über Holzverarbeitung gelernt, z. B. wie ein Wagenrad hergestellt wird und welche Maschinen dabei zum Einsatz kamen:
Zuerst wurde die Nabe auf der Drechselbank gedreht, dann die Speichen auf der Hobelmaschine vorbearbeitet und auf der Schnitzbank mit dem Zugmesser fertiggestellt. Dann wurden die Felgenabschnitte mit der Bandsäge ausgeschnitten und auf der Hobelbank mit dem Nabenbohrer gebohrt und fertig bearbeitet.

                      Zugmesser                              Nabenbohrer    
                         Zugmesser                                                                           Nabenbohrer

Als Holz kam hauptsächlich abgelagertes Eschenholz in Frage, das reichlich in der Scheune vorhanden war. Sodann kam der schwerste Teil: das Zusammenbauen des Rades auf der Montagegrube. Die Einzelteile mussten so genau gearbeitet sein, dass sie schwer zusammengefügt werden konnten. Großvater trieb mit einem schweren Vorschlaghammer die Speichen in die Nabe und kam dabei ganz schön aus der Puste! Auch die Felgenteile mussten genau passen denn das ganze Rad wurde nur durch den zum Schluss aufgezogenen Stahlreifen zusammengehalten; es kamen weder Nägel noch Schrauben zur Anwendung. Somit war also sehr viel schwere Handarbeit nötig.

                    Schnitzbank                 Räder
        
Schnitzbank                                                                        Räder

Großvater sprach mit mir immer im Egerländer Dialekt und ich musste oft nachfragen, weil ich ihn nicht gleich verstanden habe. Wenn er eine Pause machte, zündete er sich eine lange Pfeife an und wir gingen manchmal in den Garten zum Bienenhaus. Ja die „Bienla“, das war sein ganz besonderes Hobby! Der Garten war riesengroß und wir Kinder liebten besonders die köstliche gelben Himbeeren, die hinter der Werkstatt wuchsen. Im  Garten waren auch viele Obstbäume, vor allem erinnere ich mich an die süßen „Ringlo“.

Großmutter war eine gemütliche Frau, die vor allem ihren Garten liebte. Im Vorgarten hatte sie schöne Rosen mit bunten Glaskugeln und vor dem Hauseingang stand auf beiden Seiten je ein Oleanderbäumchen. In der Ecke des Vorgartens war eine Laube, die mit Kletterrosen überwachsen war. Es gab auch einen Gemüsegarten. Im Zimmer hing in der Ecke ein Bild von Franz Schubert; das rührte wohl daher, dass ihre  vier Kinder früher sehr viel Hausmusik machten. Damals ahnte noch niemand, dass ich zwei Jahre später über ein Jahr lang bei ihr in Frankenberg wohnen würde, um  die Edertalschule zu besuchen.

Tante Maritsch war hauptsächlich im Haus und mit der kleinen Landwirtschaft beschäftigt. Wenn ich kam, fragte sie meistens: „willst nicht erst mal eine Dickmilch?“ Die hatte sie immer auf der kühlen Kellertreppe, und dann gab es noch einen großen Löffel „Schmetten“ drauf; das schmeckte im heißen Sommer ganz besonders gut. Ab und zu fragte sie: „willst nicht mitfahren Grünfutter holen?“  Dann wurden die zwei Kühe vor den Leiterwagen gespannt und wir fuhren hinaus aufs Feld um Klee zu holen. Auch bei der Getreideernte durfte ich helfen .Die Männer mähten das Getreide mit dem „Wachler“ und die Frauen nahmen das Getreide mit der Sichel auf und banden es zu Garben, die dann zum trocknen zu „Puppen“ aufgestellt wurden. Meine Hauptaufgabe bestand allerdings darin, zur Jause eine große Kanne Bier aus dem Dorf zu holen! Gedroschen wurde damals nebenan beim Nachbar „Reitzenstein“ von Hand  mit Dreschflegeln. Mehrere Männer schlugen im Takt auf das auf der Tenne ausgelegte Getreide, bis das Korn zusammengefegt werden konnte. Anschließend kam es in die Putzmühle, die wir Buben an der Kurbel auf Touren bringen durften. Die Spreu flog aus der Scheune und das saubere Korn blieb übrig und wurde in Säcke abgefüllt.   Ich sollte anschließend das Stroh mit dem Kuhgespann vor dem Leiterwagen nach Obersekerschan bringen, was meine erste alleinige Fahrt mit Kühen war. Statt nach rechts bogen die Kühe jedoch nach links ab - sie wollten nach Hause  in ihren Stall - und ich musste Großvater um Hilfe rufen. Der Fehler war: ich hatte die Peitsche vergessen und auf gutes Zureden wollten die Kühe einfach nicht folgen! Aber die Fahrt fand dann doch noch ein glückliches Ende.

                              Dreschflegel           Dreschen m.Fl   

                                   Dreschflegel                                        So wurde früher gedroschen   
               



Besuch aus Neuseeland  (1994)

Im Jahre 1863 wanderten bekanntlich zahlreiche Bewohner des Radbusatales nach Puhoi in Neuseeland aus.  Immer wieder suchen nun deren Nachkommen den Weg nach Europa, um die Herkunftsorte ihrer Vorfahren kennenzulernen.  Diesen Wunsch erfüllte sich im August 1994 auch das Ehepaar Farell aus Hamilton.

Jim und Maureen Farell trafen am 18. 8. 1994 morgens um 6.45 Uhr nach 26 Flugstunden am Frankfurter Flughafen ein und wurden von Konrad Heidl, dem Ehrenvorsitzenden@ der Egerländer Gmoin in Hessen, dessen Tochter Angelika und Friedebert Volk begrüßt.  Nach zwei Ruhetagen in Frankfurt bei Frau Gertrud Jung, früher Nürschan, begann die Reise nach Böhmen.  Frau Farell, die eine geborene Schischka ist, war tief ergriffen, als sie über Waldmünchen die ersten Berge Böhmens erblicken konnte.  Sie erinnerte sich, daß es der größte Wunsch ihrer im Vorjahre mit über 90 Jahren verstorbenen Mutter gewesen war, einmal das Land ihrer Vorfahren zu sehen.  Als Holleischen erreicht wurde, erzählte sie von einer Auswanderin, die im hohen Alter etwas verwirrt auf die Felder Puhois lief und "zurück nach Holleischen" wollte. Dabei hätte sie Rosenkranz und Gebetbuch in ihren Händen getragen.
Besucht wurde im Laufe der nächsten Tage Littitz, wo nahe der Brücke das Haus Nr. 55 als das Stammhaus der Schischkas identifiziert wurde.  Eine Besichtigung der Littitzer Kirche schloß sich an.  Die Häuser der Vorfahren gesucht und meist auch gefunden wurden in Stich, Mantau, Elhotten und Honositz.  In Chotieschati bat Herr Kraus, bei dem im Vorjahre Judith Williams aus Neuseeland Unterkunft gefunden hatte, in sein am Wasser des Miihlgrabens sehr idyllisch gelegenes Häuschen zu einer kurzen Unterhaltung.  Im Klattauer Grundbucharchiv opferte Frau Dr. Vanova einen Tag ihres Urlaubs und verhalf den Reisenden zu neuen Erkenntnissen über Namen und Besitzverhältnisse ihrer Vorfahren.  Ein Besuch am Bahnhof Staab war für die beiden Neuseeländer besonders ergreifend, denn dort hatte ja die weite Reise der Auswanderer vor 131 Jahren begonnen.
Eine Besichtigungsfahrt nach Prag unter Führung von Herrn J. Kaiser aus Mies litt leider unter regnerischem Wetter.  Noch schlimmerer Dauerregen beeinträchtigte die Rückfahrt über Marienbad, Karlsbad und Eger.  Das Ehepaar Farell fand nach der Böhmenreise Aufnahme bei Freunden in Nürnberg und plante die Teilnahme an Egerlandtreffen in Wendlingen und Erfurt.  Besuch in Wien, Salzburg, in der Schweiz und schließlich in Irland, der "Heimat" Herrn  Farellls, sollten folgen.
 


                                                                                                                                                                                                 
Friedebert Volk

Weitere Berichte über Neuseeland/Puhoi gibt es hier___>


Umweltprobleme in unserer Heimat vor 90 Jahre

Lm. F. Schiller überliefert in seinem wertvollen Bericht "Fischwald an der Millikauer Miesa" (HB. 1984, S. 266f) den Spottnamen "Kaffeeboch" für die Miesa.  Die braune Farbe rührte von der Kocherlauge des Zellstoffwerkes Josefihütte bei Pawlowitz weiter flußaufwärts her.  Die Zeitung "Deutsche Wacht an der Miesa" (Herausgeber Haßold, Mies, Jahrgänge 1891 bis 1918 archiviert in Wien, Nationalbibliothek) machte sich schon in der Ausgabe vom 4. 3. 1893 zur Sprecherin der wegen der Wasserverschmutzung besorgten Bürger des Miesa-Tales.  Unter der Überschrift "Schwarze Miesa“ widmete sich das Blatt immer wieder diesem Thema.  Ein gewisser Erfolg stellte sich Ende 1893 ein.  Die Zellstoffproduktion wurde vorübergehend eingestellt und die Lokalzeitung konnte am 7. 10. 1893 eine "wesentliche Verbesserung“ des Wassers feststellen.  Voller Sorge meldete sie aber auch gleichzeitig, daß die k. k. Bezirkshauptmannschaft Plan die Wiederaufnahme des Betriebes mit offenbar verbesserten Produktionsmethoden probeweise erlauben wolle.  Besitzer der Papierfabrik war bis 1899 die Fa.  Halbmayr & Comp.  Danach erwarb das Werk der Pilsner Industrielle Emil von Skoda zusammen mit dem Wiener C. Wittgenstein (Dt.  Wacht an der Miesa, 25. 2.1899).                                               

Umweltverschmutzung beklagte auch der bekannte Heimatforscher Josef Maschek aus Holleischen, in einem mir kürzlich zugesandten Manuskript aus dem Jahre 1937.  Es trägt die Überschrift: "Die Arten und das Vorkommen von Fischen in der Radbusa im Holleischner Katastergebiet" und wurde bisher wahrscheinlich noch nirgends veröffentlicht.  Josef Maschek stellte in seiner Abhandlung fest, daß die Fische in der Radbusa, mit Ausnahme von Aal und Barbe, sehr abnähmen und nennt dafür mehrere Ursachen:

1.    Große Mengen von Quarzschleifsand in den Abwässern der "hiesigen Fabrik".  Sie legten sich in den Kiemen der Fische fest und führten zum Ersticken.

2.     Nächtliches Fische-Stechen mit Lichtern und dreizinkigen Gabeln während der Kriegsjahre und der späteren Notzeit.  Die Trockenjahre 1934/35 verleiteten dazu in besonderem Maße.

3.    Untätigkeit der zuständigen Stellen zur Hebung der Fischzucht.

4.    Keine großen Hochwasser mehr in den letzten Jahren.  Dadurch keine Auffrischung des Fischbestandes.  Fische leiden wegen Inzucht und Degeneration an einer Art Grätze oder Schuppenflechte. Der Wasserstand sei überhaupt seit etwa 1908 zu niedrig.

5.     Überfischung des Flusses durch Sportangler.  Sie stehen selbst im Winter am Ufer und werden im Volksmund  "stille Narren" geheißen.

Diese Aufzählung nennt schon die uns heute leider allzu geläufigen Folgen der Gewässerverschmutzung, auch wenn sie der Verfasser falsch deutete.  Die Radbusa-Fische erstickten höchstwahrscheinlich nicht an den Schleifsanden in den Kiemen, sondern aus Sauerstoffmangel infolge zu starker Einleitung organischer Abfälle, die den Fluß "umkippen" ließen, und auch die Hautwucherungen dürften nichts mit Inzucht, sondern eher mit zu hoher Konzentration chemischer Abfälle im Wasser zu tun gehabt haben.

                                                                                               Friedebert VOLK, früher Chotieschau


Schwierigkeiten bei der Einführung der Kohleheizung

 Pilsen.  Die Steinkohle wurde im Pilsner Becken etwa seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewonnen.  Der schwedische Gelehrte Ferber schreibt, daß im Jahre 1774 südlich von Wilkischen und bereits einige Jahre davor in Chotieschau Kohle abgebaut wurde.  Welche Schwierigkeiten aber die Einführung des neuen Energieträgers bereitete, entnehmen wir einem Bericht Dr. Basil Graßls im Pilsner Tagblatt vom 25. 12. 1925.  Dr. Graßl war Tepler Chorherr und Professor am Pilsner  Gymnasium bis zu dessen Schließung im Jahre 1924.
 Die ersten Versuche, die Schulzimmer des Gymnasiums in Pilsen mit Steinkohle zu heizen, fanden 1796 statt.  Da in der Folge zahlreiche Schüler, wahrscheinlich durch austretende Gase, erkrankten, verzichtete man bald wieder auf den neuen Brennstoff.  Die Behandlung der Patienten nahm Dr. med.  Chmel vor.  Aufgrund verschiedener Beschwerden setzte man am 16. 1. 1796 sogar einen Untersuchungsausschuß ein.  Er befand, daß „Steinkohlenheizung nachteilig“ sei, worauf das Kreisamt die Verwendung der Steinkohle untersagte.
Am 16. 5. 1798 erging eine Gubernialverordnung, in der die Stadt Pilsen aufgefordert wurde, Steinkohle für die Heizung des Rathauses, der Wachstuben und der "Fronfeste“ zu verwenden.
Am 15. 11. 1798 ordnete das Kreisamt an, mit der Steinkohlenzufuhr zu den Pilsner Schulen noch zu warten und sich für die nächste Heizperiode wie immer mit Holz einzudecken.  Nichtsdestoweniger sollten aber schon gußeiserne Öfen aufgestellt werden, damit bei Einführung der Steinkohle kein „schädlicher Dampf“ mehr entweichen könne.
Am 13. 9. 1799 bat sodann die Stadt Pilsen das Königliche Kreisamt, das Gymnasium und das Gefängnis mit der von der Stadt „erbeuteten“ Steinkohle heizen zu dürfen.  Dem Gesuch wurde ein Gutachten des Kreisarztes Dr. Krauß beigefügt.  Er verwies auf problemlose Verwendung der Steinkohle im Kriminalgefängnis seit vier Jahren und befürwortete den Antrag.  Seine Bedingungen waren aber: Verwendung eiserner Ofen und Verwendung nur größerer Kohlestücke, da kleine "Stückeln" dem Luftzug hinderlich seien und die Entwicklung schwefliger Gase erleichterten. 


Skoda wurde in Pilsen geboren!

Leider wurde in der Leserzuschrift „Tschechisiert“ (Sudetenpost, 18.10.2007, Seite 16) erneut die Mär verbreitet, Ritter Emil von Skoda sei in Eger geboren. Wer sich die Mühe macht, die Pilsener Kirchenbücher durchzusehen, wird aber im Band 14, Seite 52, den Eintrag seiner Geburt unter dem 18. November 1839 finden. Sein voller Name war Emil Jakob Josef Johann. Mit Eger hatte die Familie nur von 1856 bis 1865 zu tun, als der Vater dort Kreisarzt war. Sicher ist nicht einmal, ob Emil dort wenigstens zur Schule ging, denn schon 1854 besuchte er die k. k. Oberrealschule in Prag, und es ist unwahrscheinlich, daß er 1856 in seinem letzten Schuljahr, noch die Schule wechselte, zumal der Vater seit 1854 Witwer war.

Richtig ist, daß die Familie Skoda absolut deutsch war. Das gibt auch F. Janacek in der 1990 erschienenen Firmengeschichte Skoda zu und wird bis ins einzelne im Jahrbuch Mies-Pilsen Nr. 3 (1993) dargelegt. Wer daran immer noch  Zweifel hegt, sei an das Schicksal der beiden Enkel des Firmengründers, Karl und Emil jr., erinnert, die 1945 für ihr Deutschtum eingekerkert wurden und dabei zu Tode kamen. Die Familie Skoda ist damit im Mannesstamm erloschen.

                                                                                                         F.Volk