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Berichte

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Berichte










































































































Berichte




























































Berichte
   Berichte aus Chotieschau und Umgebung

Letzter Besuch in Chotieschau.  Herbert Wenig am 22./23.04.2017  (siehe auch Heimatbrief Mai/Juni 2017, S.114)  

Nachdem ich mich bereits Anfang März bei der in Staab wohnenden Familie eines Sohnes meines Cousins angemeldet habe, war ich dann am Samstag, 22.04.17 und den darauffolgenden Sonntag in Staab. Am Samstagvormittag war ich in Dobrzan, Lossin, Mantau und Chotieschau. In Lossin ist das seinerzeit von meiner Mutter von der Bürgerlichen Brauerei Dobrzan gepachtete Wirtshaus den Verfall preisgegeben, weil anscheinend kein rechtsmässiger Eigentümer vorhanden ist.

Am Alten Werk in Mantau sind die ganzen Bergleutesiedlungen, die „Hawirna“ und „Kasan“ wie wir sie nannten, abgerissen oder nur noch kurz vor den Abriss. In Chotieschau ist der Durchgangsverkehr durch Straßenbauarbeiten stark behindert. Die Volksschule wurde Rathaus, an der Straße werden neue Randstreifen und eine Haltebucht angelegt, vor der Schule wird der Platz neu gestaltet.

Die Kinder gehen nun in die in vor dem Krieg neu gebaute Tschechische Schule, welche dann nach dem Anschluss Bürgerschule wurde. Dorthin sind ja viele unsere Heimatfreunde gegangen. Das alte Brauhaus in Chotieschau steht unter Denkmalschutz, wurde verkauft und wird nun zu Wohnungen umgebaut. Chotieschau hat inzwischen über zweitausend Arbeitsplätze. Am Nachmittag war ich erstaunt, als mir Jarda, das ist der Sohn meines Cousins, sagte, so, jetzt geht’s am Kreuzberg. Da er wusste, dass ich jedesmal bei meinen Besuchen auf den Kreuzberg ging, nun aber im Alter von 86 Jahren es zu Fuß nicht mehr schaffe, hat er bei der Gemeinde angekündigt, dass ich ein letztes mal zu Besuch komme und hat Schlüssel für die beiden Schranken und die Tür zum Turm erhalten. In Chotieschau wusste man auch, dass ich zu Besuch komme.

Der Weg auf den Kreuzberg ist sehr schlecht und es sollte schon ein geländegängiges Fahrzeug dazu sein ! Vom Turm aus ließ ich den Blick nochmals über die alte Heimat schweifen und war dankbar, dass mir Jarda dies nochmals ermöglicht hat. Am Abend waren wir dann mit den Nachkommen meines Cousins fröhlich beisammen.

Am Sonntag drängte mich Jarda und sein hinzugekommener Bruder Wenzel, los, wir wollen um halb zehn in Chotieschau sein ! In Chotieschau zwängten wir uns durch die Absperrungen der Baustelle auf den Schulhof. Wir wollen zur Kirche sagte Jarda, die ist doch geschlossen sagte ich.

Doch die Tür stand auf ! Jarda hatte die Kirchendienerin welche ich schon von früheren Besuchen her kannte, gebeten für mich die Kirche aufzuschließen, was sie auch gerne machte. So konnte ich die Heimatkirche nochmals tief verinnerlichen. Von dieser Überraschung war ich sehr gerührt.

Danach hieß es, komm, jetzt gibt es noch eine Überraschung. Wir gingen zu Schule, jetzt Rathaus, obwohl es Sonntag 10 Uhr war, stand die Tür offen. Wir gingen die Treppe zum 1. Stock hoch wo ich vier Jahre lang als Volksschüler hoch gegangen bin, im früheren Klassenzimmer standen mehrere Personen. Ein Herr im Sonntagsanzug trat auf mich zu und sagte in deutscher Sprache, er wäre der Bürgermeister Ludek Rosenberger und freue sich, mich in meiner alten Heimat begrüßen zu dürfen. Danach der stellvertretende Bürgermeister, auch in deutscher Sprache und ein Fotograf. Dazu kam noch die frühere Bürgermeisterin Frau Mathesova, mit welcher wir ja viele lange Jahre gut zusammengearbeitet haben und die auch mit drei Mitarbeitern der Gemeinde Chotieschau vor Jahren zum Schlossfest meiner jetzigen Heimatgemeinde Elztal für ein Wochenende bei uns zu Gast war. Als damalige Stellvertreter des Bürgermeister und langjähriger Gemeinderat zeigte ich die gemeindlichen Einrichtungen und gab Auskunft über die Arbeitsweise unserer Verwaltung. Damals, kurz nach der Wende, hat man dies interessiert zur Kenntnis genommen. Danach war unser Bürgermeister zum Böhmischen Maien mit in Chotieschau und auch unser Rittersbacher Kirchenchor zu einen Kulturabend und einen Gottesdienst mit Gesang dort. Weiterhin waren wir auch zweimal mit der Kirchengemeinde Hersbruck in Chotieschau. Auch Klassentreffen mit den Besuch unserer früheren Schulen haben wir in Chotieschau gemacht. Danach eine Maiandacht in Lossin. Dies alles und die Verbindung mit den Kirchsprengeltreffen in Hersbruck waren dem Bürgermeister bekannt und er sprach mir seinen Dank für diese vielfältigen Bemühungen aus.

Nachdem wir am gedeckten Tisch eine Weile Gedanken ausgetauscht haben, wurde ich gebeten aufzustehen, dann kam der Bürgermeister auf mich zu , drückte mir die Hand und übergab mir eine Urkunde für die langjährigen Verdienste um die Anstrengungen zur Verstärkung der Beziehungen zwischen der Gemeinde Chotesov und ausgesiedelten früheren Mitbürgern von Chotieschau. Frau Mathesova schloss sich an und erinnerte an die vielen gemeinsamen Aktivitäten. Da ich überhaupt keine Ahnung von diesen Vorhaben hatte war ich völlig überrascht und durcheinander. Ich habe etwa sechzig Jahre für meine Landsleute aus den Kirchsprengel Chotieschau mitgewirkt, habe dies gerne getan und gar nicht erwartet, dass man da groß danke sagt, dass es nun doch geschah und auch noch von dieser Seite her, hat mich besonders berührt.

Nach diesen Empfang waren wir wieder in Staab, wo noch mehrere Familienangehörige zum gemeinsamen Mittagessen zusammenkamen erzählten, Fotos machten und mir noch alles Gute wünschten. In Staab erhielt ich auch Zugriff auf Filme amerikanischer Kriegsberichterstatter vom Mai 1945, welche die Besetzung von Staab, Mantau und besonders Lossin in eindrucksvoller Weise zeigen.In Lossin habe ich dies selbst mit erlebt und bin davon sehr beeindruckt. Wer an diesen Filmen interessiert ist, soll sich bei mir melden, es ist jedoch in PC dafür nötig! Nach einer Ruhepause machte ich mich wieder auf den Heimweg. Ich habe jedoch noch eine Zwischenübernachtung eingelegt, weil ich diese Ereignisse und den Abschied von der alten Heimat, wie auch die liebevollen Bemühungen meiner Angehörigen erst alleine Verarbeiten musste.

Hinweis: Link für die Filme siehe "Aktuelles"

        Herbert Wenig  

              

         mit Bürgermeister Rosenberger              Stellvert. Bürgermeister übergibt Kalender       mit ehem. Bürgermeisterin Fr. Mathesova

       Wenig04    Wenig5    Wenig06

             Pfarrkirche Mariä Geburt in Chotieschau


Besuch in Chotieschau.
Am Samstag, den 09.06.2012 war ich wieder zu meinen alljährlichen Besuch in der alten Heimat.
Mein Weg führte mich , des schönen Wetters wegen, zuerst nach Lossin. Nach einer Unterhaltung mit einem alten Freund, stellte ich meinen PKW bei diesem ab und begab mich zu Fuß auf den Weg zum Kreuzberg. Am Waldrand, vor der Schranke, standen zwei PKW mit deutschen Kennzeichen.  Nach 40 Minuten erreichte ich die Kreuzbergkirche.
Im Unterstand vor den Turm befand sich eine Gruppe von 9 Personen; sie sprachen deutsch. Ich fragte sogleich nach den Grund ihrer Anwesenheit und erfuhr: der Vater stammt von hier!  Ich fragte: "wie heißt er denn ?";  darauf die Antwort:" Tupy !"  Meine Frage darauf: " stammt er von Mantau und ist vom Alten Werk ?"  Mit großen Erstaunen ein fast eintöniges  "jaaa!".   Wo ist er denn, meine Frage, oben im Turm war die Antwort!  Er kam herunter, blieb stehen und schaute mich fragend an: " ich bin der Wenig" sagte ich,  " ja der Heeerbeeert," sagte er erfreut und kam auf mich zu.
Nun saßen wir mit der Gruppe beisammen und erzählten. Ich erfuhr, daß Gerhard Tupy, jetzt in Merseburg wohnend,  am Tag zuvor, also am 08.06.2012 seinen  88.Geburtstag feierte und  diesen Tag in der Heimat verbringen wollte und mit Frau, Kindern, Enkel und Urenkeln in Dobrzan Zimmer mietete und auf den Kreuzberg gehen wollte. Ich war gerührt von dieser starken Heimatliebe und der körperlichen Leistung, in diesen Alter noch zu Fuß auf den Kreuzberg zu gehen.
Nach freudigen Gesprächen gingen wir vom Kreuzberg hinunter, um unterwegs noch ein Familienbild, 4 Generationen mit dem Kloster im Hintergrund zu machen. Im Anschluß daran besuchte ich die neue Gaststätte am Dorfplatz und Inge Hacker, eine Schulfreundin, welche mich begrüßte: " ist das ein Klassentreffen ?",   weil bei ihr gerade eine weitere Schulfreundin zu Besuch aus Deutschland war.  Danach bedankte ich mich noch bei Mitzi Leipert für die Mithilfe bei meinen Fotoaufnahme des Altars unserer Heimatkirche, übergab ihr ein Foto und sagte ihr, daß nun unser Altar auch in der Hersbrucker Kirche einen Platz gefunden hat. Den Abend verbrachte ich bei Verwandten in Staab, wo zufällig gerade ein Geburtstag zu feiern war.
Am Sonntag besuchte ich den Gottesdienst in unserer Heimatkirche und
stellte fest, daß ich als einziger männlicher Besucher mit 10 Frauen die
Messe hörte. Mir wurde gesagt, dass mit 10 Personen der Besuch außerordentlich hoch wäre, üblicherweise sind es 5 bis 6 Frauen!
Nach den Mittagessen machte ich mich auf den Heimweg, um nochmals bei Freund Fritz Schwarz den Tag ausklingen zu lassen und zu übernachten.
Zwei ereignisreiche Tage, welche mir viel Freude machten, die ich hiermit gerne teilen möchte, lagen hinter mir, wofür ich auch dankbar bin. 
Herbert Wenig                                                                                                                            mehr über den Kreuzberg=>

Wenig-Kreuzberg



Im Krieg
von Friedebert Volk

Wir lebten in Westböhmen, nicht weit von der Bier- und Skodastadt Pilsen entfernt. Bei Kriegsende war ich zehn Jahre alt. Alle sechs Männer der Familie waren bei der Wehrmacht. Damit wir immer genau wussten, wo sie gerade eingesetzt waren, hing in der Wohnküche meiner Großmutter über dem Rundfunkgerät eine Europakarte. Bei Kriegsende war ich mit der Geographie Europas bestens vertraut. Ich kannte alles von Finnland bis Südfrankreich und natürlich auch die Ostfront.

Als am 1. September 1939 der Krieg ausbrach, besuchte uns meine Tante aus dem Nachbardorf. Sie war die Schwester meiner Mutter. Beide Frauen waren entsetzt, denn sie hatten noch lebhafte Erinnerungen an die Leiden des Ersten Weltkrieges. Als erster Mann der Familie wurde Onkel Karl, der Bruder meiner Mutter, einberufen. Er musste sich am 8. März 1940 in Coburg stellen. Von dort ging es in den Frankreichfeldzug. Später klagte er über die gewaltigen Marschleistungen in Frankreich. Dann hatte er eine ruhige Zeit in Rotterdam. Von dort kam er in das Ausbildungslager Hammelburg. Bei einem Urlaub brachte er mir eine schöne Geldbörse aus Leder mit, die ich lange benutzte. Eines Tages im Juni 1941 rief er seine Mutter aus Veitshöchheim an. Sie könne ihn noch einmal besuchen, da seine Division in einen weiter entfernten Ort verlegt würde. Großmutter fuhr noch am selben Abend los. Meine Mutter und ich (damals sechs Jahr alt) mussten sie begleiten. Wir fuhren durch die Nacht. Zweimal ging es nicht weiter, weil Fliegeralarm war. Wir hielten an einer kleinen Bahnstationen bei Schwandorf. Die eine hieß Schwarzenfeld. Im Mondlicht sah ich die schmucken Bahnhofsgebäude, die mir gut gefielen. In Nürnberg stiegen wir um. Der große Bahnhof mit seinen Unterführungen war für mich das moderne Deutschland. In Veitshöchheim wimmelte es nur so vor Soldaten. In jedem Haus waren mehrere von ihnen einquartiert. Wir lernten auch die Wirtsleute Onkel Karls kennen. Großmutter wollte von ihnen wissen, ob ihr Sohn auch „brav“ sei. Ich stand daneben und hielt diese Frage für etwas überflüssig, denn Onkel Karl war ein ganz ruhiger und ernsthafter Zeitgenosse. Wir verbrachten jede Minute mit ihm und gingen im berühmten Hofgarten spazieren.

Nach zwei Tagen kam der Abmarsch. Eine unendliche Menge feldgrauer Soldaten versammelte sich abends auf den flachen Mainuferwiesen. Fast jeder Soldat war umringt von Angehörigen, die ihn mit Blumensträußchen schmückten. Auch wir waren mitten drin. Neben uns stand ein junger Soldat ganz alleine. Er war großgewachsen, hatte ein wettergebräuntes Gesicht und dunkelblonde Locken unter seiner Gebirgsjägermütze. Mutter fragte ihn, wo er zu Hause sei. Er antwortete: „in Nemberch“, also in Nürnberg. Mutter steckte auch ihm ein paar Blümchen an die Uniform und eines in den Lauf seines Gewehres. So war das damals. Plötzlich, es war schon dämmrig, ertönten laute Kommandos. Die Soldaten stellten sich in Sechserreihen auf, und dann setzte sich eine unüberschaubare Kolonne feldmarschmäßig ausgerüsteter Männer in Bewegung. Niemand sprach ein Wort und man hörte nur den Gleichschritt, bis sie im ungewissen Dunkel verschwunden waren. Keiner wusste, was ihr Ziel war. Wenige Tage später erfuhren wir aber aus dem Volksempfänger, daß es der Beginn des Rußlandfeldzuges war. 

Bilder aus dem "Chotieschau-Buch" von F. Volk

                                                                                                                                 
   Kriegerdenkmal            Fahnenweihe           
                 Kriegerdenkmal Chotieschau                                  Fahnenweihe des Veteranenvereins 1904                     

Dorfplatz   Muehlgraben  
         Am Dorfplatz Chotieschau (um 1900)                                                                                   Am Mühlgraben                                                                              

   Bayerschacht   Fussballmannschaft
                                                 Bayerschacht 1904                                          Die "Superelf" von 1936



Wie früher gedroschen wurde

Drischl dreschen in Mantau ...

Was heute von einer Person mit einem Mähdrescher in kurzer Zeit erledigt wird, war früher noch eine Reihe von mühsamen Arbeitsgängen, die mehrere Helfer über Wochen beschäftigten.

Der Schnitter mähte das reife Getreide mit dem „Wachler“ um. Die Kinder schlugen die im Vorjahr geflochtenen „Bänder“, worauf die Frauen die mit der Sichel zusammengefassten Halme legten und zu Garben zusammenbanden. Dann wurden die Garben zu "Puppen" zusammengestellt und nach einigen Tagen der Nachtrocknung mit dem Leiterwagen in die Scheune gebracht. Dort wurden sie zunächst unterm Dach aufgeschichtet .

Nach Beendigung der Erntearbeiten wurden die Garben nach und nach auf die Tenne geworfen, die Bänder aufgelöst , das Getreide auseinander gelegt und mit den Dreschflegeln – bei uns „Drischl“ genannt – gedroschen. Je nach Anzahl der Personen ergab dies einen bestimmten Takt. Ein Schlag – ein Schritt nach links – so ging es im Kreis herum. Nach mehreren Runden wurde mit der Gabel das Stroh ausgeschüttelt und zur Seite gelegt. Das Korn kam mit der hölzernen Schaufel in das Rundsieb und wurde kräftig rund geschüttelt. Das Korn fiel durch und das Grobe wurde zur Seite geschüttet, wo die Hühner schon darauf warteten und sich die restlichen Körner herauspickten. Die Körner wurden wiederum mit der Holzschaufel aufgenommen und in Säcken zur Putzmühle getragen.

Die Buben durften dann ihre Kräfte messen und die Kurbel der Putzmühle drehen. Die Spreu – man sagte „Gsuat“ – flog aus der Scheune und das Korn blieb zurück. Anschließend wurde das geputzte Korn abgesackt , mühsam auf den Schüttboden getragen und in die Abteile geschüttet. Später musste es immer mal wieder gewendet werden, um durchzutrocknen.  Nach Bedarf wurde es dann zur Mühle gefahren und zu Mehl gemahlen.

Wenn dann am Abend das Mehl aus dem eigenen Getreide in der Stube im Backtrog zum Sauerteig geknetet wurde und am nächsten Tag das frischgebackene Brot aus dem Ofen kam, war dies der Lohn für die  vorangegangenen Mühen.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“ war keine Selbstverständlichkeit, sondern war im wahrsten Sinn „wohlverdient“.

Wenig Dreschen

Sitzende von links - Herbert Wenig mit Cousin Walter Janka.
Stehend von links-  Frau Brix -  Barbara Wenig (meine Mutter) - Mutters
Schwester Retl Zinkula, Frau Ziegler, Mutters Schwager Franz Janka mit
Mutters Schwester Liesl Janka.

Herbert Wenig


                       Dreschflegel            Dreschen mit Flegel

                                                 So wurde mit Dreschflegel gedroschen


... Dampfdreschen in Teinitzl

Die Gemeinschaft der Teinitzler Bauern besaß bereits vor dem Krieg eine  komplette Dreschanlage mit  Dampfmaschine (auch Lokomobil genannt), Dreschmaschine und Strohpresse. Die Maschinen waren während des Jahres in einem eignen Schuppen in der Nähe der Dorfschmiede untergebracht. Nachdem das Getreide eingebracht war, kam im Herbst die Zeit des Dreschens heran, an der das ganze Dorf – vor allem auch die Jugend – teilnahm.

Zunächst wurden die Maschinen – allem voran die Dampfmaschine – zum Dreschplatz gefahren. Dieser befand sich auf der Anhöhe nördlich des Dorfes in Richtung der „Teinitzler Birkeln“. Die Maschinen mussten genau in einer Reihe ausgerichtet werden. Als erstes die Dampfmaschine, dann in einigem Abstand die Dreschmaschine und dahinter die Strohpresse. Über Riemenantrieb wurden die Maschinen miteinander verbunden, wobei der erste Riemen wegen Brandgefahr besonders lang war.

Interessant  - vor allem für die technisch interessierten Buben – war das erste Anfahren der Anlage. Zunächst wurde die Dampfmaschine  über mehrere Stunden angeheizt.  Das geschah mit Steinkohle, die dafür vom Teinitzler Schacht herbeigeholt werden musste. Ebenso musste immer genügend Wasser in Fässern bereitgestellt werden.  Wenn der Druck im Dampfkessel hoch genug war, konnte das Anfahren beginnen. Dafür zuständig war der Dorfschmied, der dafür extra eine  technische Ausbildung bekommen hatte. Langsam setzte sich das Schwungrad -  vom gehörigen Fauchen und Zischen begleitet -  in Bewegung, und über den Riemen angetrieben lief die  Dreschmaschine allmählich an. Der Vorgang musste manchmal am Anfang mehrmals wiederholt werden, da der Riemen absprang; Abstand und Richtung der Maschinen musste daraufhin nochmals genau eingerichtet werden. Wenn es dann losging begann die Dreschmaschine mit dem typischen singenden Geräusch immer lauter zu werden, bis die Arbeitsgeschwindigkeit erreicht war.

Inzwischen wurde das Getreide mit den Leiterwagen herbeigeschafft und der Dreschvorgang konnte beginnen. Die Getreidegarben wurden auf den „Tisch“ geworfen, geöffnet, und von der Bäuerin oben in die Maschine eingelassen. Das Getreide wurde in der Maschine durch Rüttelsiebe gesiebt, durch Gebläse gereinigt und in Säcken aufgefangen um dann von den Männern auf die bereitstehenden Wagen aufgeladen zu werden. Das Stroh kam zu großen Bündeln gepresst hinten aus der Strohpresse gebunden heraus und wurde zu großen Strohhaufen , die schon von weitem zu sehen waren, aufgeschichtet.

Das Dreschen zog sich stets über mehrere Tage hin, bis alle Bauern ihr Getreide: Roggen, Weizen, Gerste und Hafer gedroschen hatten.
Zum Abschluss gab es dann ein schönes Dorffest und die Maschinen wurden wieder in ihr Winterquartier gebracht.

Die Umgebung der Strohhaufen waren für die Dorfjugend stets ein beliebter Ort zum „Räuber und Gendarm“ spielen. Man konnte sich dort besonders gut verstecken.

Gerhard Frei             

Lokomobil

Mehr über Teinitzl gibt es hier!!


Einführung der Elektrizität

Chotieschau war ursprünglich  nicht an das Überlandnetz des „Elektrizitätsverbandes der nördlichen Böhmerwaldbezirke GmbH.“ angeschlossen, sondern besaß ein eigenes E-Werk am Mühlgraben. Schon im Adressbuch 1912 wird Johann Steppan als Inhaber einer Kunstmühle und „elektrischer Beleuchtungsanlage“ genannt. Das dürfte angesichts der in Chotieschau schon seit 1905 diskutierten Elektrifizierungspläne wohl mehr eine vorsorgliche Eintragung gewesen sein.

Zur wirklichen Einführung der Elektrizität kam es erst 1920. Der Gemeinderat beschloss auf Antrag von Josef Gründl einstimmig, ein E-Werk in der Steppanschen Mühle einzurichten. Angeschafft wurden ein AEG-Generator und eine Wasserturbine von der „Ersten Brünner Maschinenfabrik“. Die Finanzierung sicherten ein Gemeinde- und Landeskredit sowie eine Subvention der „Böhmischen Landesregierung in Prag“

Der Generator lieferte Gleichstrom von 110 Volt. Bei Niedrigwasser oder Treibeis musste über das Transformatorenhaus an der Mantauer Brücke Strom aus dem Überlandnetz bezogen werden. Im Jahre 1923 war die Elektrifizierung des Ortes schon so weit fortgeschritten, dass im Hotel Lomitschka ein Lichtfest gefeiert wurde. Der Gemeindevorsteher schaltete symbolisch eine Glühbirne ein; Lausbuben sollen durch Herausdrehen der Sicherung für einige peinliche Minuten gesorgt haben.

Als Betriebsleiter des E-Werkes fungierten Herr Steppan und Herr Mischek. Die alte Turbine wurde etwa 1960 demontiert. Wegen des Preisvorteils und der Umweltfreundlichkeit diskutiert man heute die Neuinstallation einer Turbine im alten E-Werk.

Die Nachbarorte Chotieschaus bezogen ihre elektrische Energie aus dem Überlandnetz. Es wurde zuerst vom Kraftwerk am Krimmichschacht bei Nürschan, ab 1926 aber vom Kraftwerk in Zwug gespeist. Vom Elektrizitätsverband wurden drei Speiseleitungen nach Westen verlegt. Dabei wurde zuerst die südliche über Staab nach Stankau errichtet. Dadurch gehörte Mantau zu den beiden Gemeinden, die schon Mitte 1923 als erste von dieser Überlandleitung Strom erhielten . 

(Aus „Kirchsprengel und Kloster Chotieschau“ von Friedebert Volk)




Ein sehr interessanter Bericht über den Teinitzler Kohle-Schacht:

  Erinnerungen eines Bergmannes

(Von Andreas Wolf im Heimatbrief 1950, Heft 10)

Viele meiner lieben Kameraden aus den Orten um Chotieschau, die auf den Schächten in  Mantau, Teinitzl oder Zwug gearbeitet haben, werden sich noch an die Zeit vor 50 Jahren erinnern, da am Teinitzler Schacht der erste Spatenstich getan wurde.  Wir waren wie eine große Familie und leben jetzt über ganz Deutschland zerstreut.
Das 50jährige Jubiläum des Teinitzler Schachtes haben jetzt im November 1949 die Tschechen ohne uns gefeiert. Weil dieser Betrieb den Plan hundertprozentig erfüllt hat, bekam jeder Bergmann 2 Paar Krenwürsteln, 2 Kipfeln und 1 Liter Bier.  Natürlich wurde auch gespielt und gesungen und der Rundfunk posaunte alles in die Welt hinaus.  Die Kumpel müssen den ganzen Monat schwer arbeiten; es gibt nur selten einen freien Sonntag.  Bei dem Abbau, der nun getrieben wird, dürfte der Schacht höchstens noch vier bis fünf Jahre in Betrieb sein, dann ist Schluß.
Im vorigen Jahr waren in Chotieschau noch gegen 400 zurückgehaltene Deutsche. Diese müssen am Schacht, im Meierhof und in der Ziegelei Staab arbeiten.  Auch nach Joachimsthal (Uranbergbau) wurden etliche verschickt.  Im Kreis Mies sollen einige Deutsche die tschechische Staatsbürgerschaft angenommen haben.  Wie die Zeitung "Prace" berichtet, erhielten die tschechischen Bergleute zwei Uniformen, eine für die Feiertage und eine für die Parade.  Durch Armstreifen sind Dienstjahre und Dienstgrade zu erkennen. 

Mich haben schon viele Menschen gefragt, wie tief der Teinitzler Schacht ist.  Der Teinitzler Schacht ist 409 m tief. Hundert Meter tiefer ist der Zwuger Schacht. Hier noch die Tiefen der anderen Schächte: Mantauer Schacht 220 m, Bayer-Schacht 110 m, Zieglerschacht 120 m.

Die Kohle im Teinitzler Schacht ist gelagert als Oberflöz, Mittelflöz und Niederflöz.  Im Oberflöz  ist die wertvollste, meist Stückkohle mit der größten Heizkraft.  Im  oberen Teil braucht man zur Sicherung das wenigste Holz und hier gibt es nicht so viele Unfälle. Die Höhe der drei Flöze liegt zwischen einem und vier bis fünf Metern.  In Richtung Zwug fällt die Kohle um etwa 50 m tiefer, weil der Zwuger Schacht auch tiefer ist.  In Richtung Teinitzl, Horschikowitz und Zieglerschacht stieg die Kohle um etwa l00 m. Leider muß man dort, wo man Kohle wegnimmt, mit Holz auszimmern.  Der Holzverbrauch ist ungeheuer. Unsere Kohlenförderung betrug täglich 35 bis 40 Waggon.  Zum Auszimmern benötigte man beiläufig 40 Festmeter Holz.  Weil aber die Kohle in der Teinitzler Grube in verschiedenen Höhen und Tiefen liegt, so waren in der Grube selbst noch vier kleine Schächte von 20 bis 80 m Tiefe oder Höhe, entsprechend einem oberen oder unteren Vorkommen der Kohle.

In früheren Zeiten waren die Arbeitsverhältnisse schwieriger, weil es keine Bohrmaschinen oder Pickhämmer,  keine  Haspel oder  Lokomotiven gab.  Im Jahre 1906 habe ich im Südfeld angefangen.  Damals waren wir vier Mann vor Ort.  Wir mußten den Hunt hinauf- und herunterführen, es war eine Strecke steil wie ein Dach und 25 bis 30 Hunte mußten wir dem Steiger fördern, dann war er zufrieden.  Vorher waren immer sechs Mann vor Ort, vier Förderer und zwei Häuer.  Das war dem Betrieb zu teuer und er nahm zwei Mann weg, verlangte aber die gleiche Leistung.  So wurde schon damals das Antreibersystem eingeführt und es hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Der Häuer mußte die Kohle auf die Bühne geben, damit sie der Förderer von zwei bis drei Orten schön aufladen. konnte, denn von einem Ort wurden 7 bis 10 Hunte weggefahren. 

Damals hatten wir 25 Pferde im Schacht, die auf die einzelnen Reviere aufgeteilt waren.  Da wir jedoch zu wenig Pferde hatten, mußten diese bald zwei Schichten in einem Tag machen. So mußten die meisten Pferde 18 Stunden und wir Bergarbeiter bereits 10 Stunden (einschließlich Ein- und Ausfahrt) arbeiten.  Durch die Einführung der Kettenbahn, die die Wagen bergauf, bergab und in der Ebene zog, wurden die Pferde immer seltener.  Die Pferde haben einen guten  Instinkt und können im Dunkeln besser sehen als der Mensch. Sie wissen genau, wo sie sich anstoßen könnten und wo es bergauf und bergab geht.  Die Pferde können auch zählen. Hängte man ihnen einmal zwei Wagen mehr an, so blieben sie stehen.  Die Pferde blieben so lange im Schacht, bis sie ihr Gnadenbrot erhielten. Die Pferdeburschen mußten mit ihren Pferden die Kohle zum Schacht transportieren.  Die besten Pferdeknechte waren damals der Jockl Wenzel, der Galandn Seff und der Theiß Wenzl.  Der Theiß Wenzl und sein Bruder Johann aus Chotieschau mußten im Jahre 1918 bei der großen Explosion im Schacht ihr Leben lassen. Hierüber berichte ich noch später genauer.  Der Schischka Josef, alias Galland, wurde von Cbotieschau aus ausgewiesen und  lebt jetzt in Gensungen im Bezirk Kassel. 

An jenen Orten, wo schlechte Luft war, mußten Ventilatoren in Betrieb genommen werden, damit die Häuer frische Luft bekamen.  Das war 1909 bis 1910.  Im Jahre 1912 wurde dann von draußen die Luft durch Rohre mittels  Kompressoren in den Schacht geleitet.  Das war eine Erleichterung für den Bergmann.  Auch einige Maschinen, z. B. Bohrhämmer kamen damals dazu. Heute sind die alten Geräte gottlob längst verschwunden.
Bezahlt wurde wie folgt: Der Förderer bekam einen Taglohn von 1 fl 50 kr bis 1 fl 80 kr, der Häuer 1,80 bis 2,20 fl und der Hilfsarbeiter bis zu 1,20. Das reichte zum Leben, denn  1 Ei kostete 1 Kreuzer und ein halber Liter Bier 5 Kreuzer.  Die Arbeit des Hilfsarbeiters bestand im Kranichziehen, Stempel Aufstellen, Auskehren und dieses besonders, wenn Herr Czermak kam, denn da mußte alles nach Vorschrift sein: die vorgetriebenen Strecken schön angespreizt, die Kohle mit Kalk angespritzt, damit sie auf der Strecke nicht geraubt werden konnte.

Unsere Vorgesetzten waren meistens Tschechen aus Pribram. Der Obersteiger Larsa war im Südfeld, der Vanzky im NordfeId.  Oberhäuer waren Steffek, Landa, Staschek, Ruzicka, Glan, Dbaly. Pumpenwärter waren Maur und Schindelar. Leipert war zuletzt Obersteiger. Unsere Herren brachten Hunderte von Tschechen aus Pribram mit und diese tschechisierten nicht nur die Betriebe, sondern auch unsere deutschen Dörfer.  Jedem Oberhäuer wurde ein deutscher Fahrhäuer beigestellt (z.B. Turnwald und Bayer aus Chotieschau), damit die Deutschen nicht schimpften.  Die tschechischen Oberhäuer konnten kein Wort deutsch und hatten auch keine Bergschule absolviert, nicht einmal der Obersteiger Larsa.  Nur der Obersteiger Janzky hatte einen Steigerkurs.  Erst im Jahre 1907 kamen deutsche Bergschüler und zwar die Steiger Hurth, Basak, Karl, Kotschy, Kulik und Wenzel.  Im Jahre 1909 kam nach einem vierwöchigen Streik auch der Steiger Wohlrab. Dieser darf nicht vergessen werden. Er war der beste Mann und ihm kann niemand etwas Böses nachsagen.  Er wurde ebenfalls vertrieben und lebt nun in Bayern von seiner wohlverdienten Rente. 

In den Jahren 1921/22, als der Mantauer Schacht stillgelegt wurde, wurden auf Fürsprache von Obersteiger Leipert auch einige Deutsche übernommen und auch ohne Bergschule angestellt. Massanetz und Giptner aus Mantau, Turnwald. und Werner aus Chotieschau.  Daß so viele Tschechen in Zwug und Chotieschau einwandern konnten, lag nur an den deutschen Hausbesitzern, denn wenn sie von einem Tschechen 1 fl mehr Miete bekamen,  so nahmen sie diesen lieber auf als einen Deutschen.  Nach dem ersten Weltkrieg waren wir Deutschen ja machtlos.  In Zwug war gleich ein tschechischer Bürgermeister da und Zwug wurde von Tschechen geradezu überschwemmt.  Hierüber können die Zwuger selbst berichten.

Ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg förderten wir täglich 2.500 Hunte Kohle.  Durch alte Hunte, die des Ausrangierens wert gewesen wären, gab es viele Störungen.  Es sollte aber die Zahl der Arbeiter gleich der der Hunte sein und jeder Hunt zweimal am Tage in die Grube gehen und schön vollbeladen wieder heraufkommen. Wir hatten 1200 Arbeiter und 1200 Wagen, davon aber 400 schlechte.  Da kamen im Jahre 1923 eine Öl- und drei Luftlokomotiven in die Grube und plötzlich gab es viele leerstehende Hunte und die Ausrede, wir haben keine leeren Wagen, Herr Steiger, galt nicht mehr.

Wer erinnert sich noch daran, daß am Mantauer-, am Bayer- und am Nürschaner Lazarus-Schacht nur Stückkohle aufgestapelt war?  Die kleine Kohle oder Lösche wurde vor 1890 überhaupt nicht aus der Grube gefahren, weil sie niemand wollte, obwohl sie die beste Kohle ist.  Allerdings war auch die Sortierung der Kohle auf der Halde damals nicht so gut möglich wie heute.  Auch mit dem Wasser hatte man früher viel zu kämpfen, da die Pumpen unzulänglich waren.  Am Bayer-,  Mantauer und Teinitzler Schacht hatten wir Dampfpumpen obertags aufgestellt, die das Wasser aus dem Schacht gehoben haben.  Das Schwungrad einer solchen Dampfpumpe hatte einen Durchmeseer von 12 Metern.  Als z. B. die Dampfpumpe vom Teinitzler Schacht an Simon Hoffmann (Eisenhof) nach Pilsen verkauft wurde, konnte diese Firma 75 Waggon Eisen und Kupfer wegfahren. Die Pumpe förderte in einer Minute 1.200 Liter Wasser.  Zu ihrer Aufstellung benötigte man ein ganzes Jahr, zum Abmontieren ein halbes.  Zu ihrer Bedienung benötigte die Pumpe zehn Mann und verbrauchte in einem Jahre hundert Fässer Oel und andere Schmiermittel. Am Mantauer Schacht mußte die Pumpe noch stärker sein, da dort die doppelte Wassermenge gepumpt werden mußte, obwohl der Schacht nur 220 Meter tief war. Von einer ungarischen Firma wurde damals 27 solcher Riesenpumpen aufgestellt. Wenn man sich diese gewaltigen Ziffern und Daten durch den Kopf gehen läßt, dann weiß man, daß es in unserer Heimat damals viel Zufriedenheit, Glück und Segen der Arbeit gegeben hat.  Da brauchte keiner stempeln zu gehen, es gab Arbeit in Hülle und Fülle.
Tein schacht   Teinschacht
                    Teinitzler Schacht                                                                                      .....mit Tieren vomSchacht


Ein Bericht aus Lossin:

 S` Lossiner Trodt-Teichl

 (von "Nannl" im Heimatbrief 1966, S.488)

Das Trodt-Teichl lag abseits vom Dorf und wurde auf der einen Seite von einer Obstallee und auf der anderen von der Bummlwiesn umgeben.  Der Teich war ein Fischteich und sein Damm war zum größten Teil mit Felwa-Stauran (Weiden) bepflanzt.  Von der Häng her hatte er ein sanftes, sandiges Ufer.
Für uns Kinder war dies der schönste Badestrand.  So oft es die Zeit zuließ, gingen wir dorthin baden.  Die Tageszeit spielte dabei keine Rolle.  Also packten wir unsere Schürzen als Badeanzugersatz unter dem Arm, manchmal noch mit kleineren Geschwistern an der Hand und los ging`s.  Meist war das Ufer schon tüchtig belagert. Hinterm Gebüsch wurde ausgezogen, die Schürze umgebunden, hinten fest zugehalten und im Eiltempo ging`s ins Wasser.  Mädchen und Buben hatten ihre Kleiderablage streng getrennt.  Die Buben badeten in Unterhosen oder hielten zu, was zuzuhalten war.  Niemand nahm Anstoß an diesen Dingen. Für uns gab es keine anderen Badeanzüge.  Es war ein Tummeln, so daß das Wasser mehr als trübe wurde.  Die Fische prallten gegen unsere Beine und manchem entfuhr ein Angstgeschrei.  Die ganz Kleinen wurden ins seichte Wasser gesetzt und sie freuten sich des Geplansches.  Mit unseren Schürzen machten wir Blouran, indem wir dieselben auf das Wasser schlugen und sie dann so andrückten, daß die Luft nicht ausging.  Aber, o Schreck, wenn ein Loch in der Schürze war!  Wir Mädchen waren zum größten Teil auf das Schwimmen mit diesen Blasen angewiesen.  Die Buben übten mehr das Freischwimmen.  Nach dem Bad legten wir unsere Schürzen zum Trocknen auf`s Gras oder sie wurden auf die Sträucher gehängt.  Die Buben spielten uns oft Streiche mit unseren Kleidern.  Entweder waren die Ärmel zugebunden oder die Hemden verknotet.  Natürlich gab's da Gelächter, manchmal auch saftige Ohrfeigen.

Viel Geschrei war, wenn d` Gründl-Wawa mit der Gänseherde kam.  Die Gänse fielen voller Durst ins Wasser und wenn sie sonst noch was fallen ließen, tat uns das auch nicht weh.  Die Wawa ging mit uns streng ins Zeug.  Wir mußten aus dem Teich, ob wir wollten oder nicht.  Durften wir noch bleiben, machten wir Spiele oder es wurde erzählt.  In der Wiese wurden Blumen, Nosnbloura und Schmurkn gepflückt.  Aus Binsen machten wir Körbchen oder flochten Zöpfe und bekränzten die Kleinen damit.  Mit Waschtrögen wurde Kahn gefahren. Manchmal lag ein Jauchenfaß oder ein Wagengestell im Teich, um sie dadurch wieder brauchbar zu machen.  An solchen Sachen hatten wir dann unseren doppelten Spaß.

In dem Weidengebüsch suchten wir Laubfrösche, brachten diese auch heim, was unseren Eltern nicht recht war und wir mußten sie wieder zurücktragen.  Im Frühling erscholl aus dem Teichl ein vielstimmiger Froschchor, welchen wir des abends so gern hörten.  Bis ins Bett tönte das Quaken.  Es war sozusagen unser Wiegenlied.

                                                              0 selige Kinderzeit, du liegst so weit, so weit!                Nannl


                Kleine Wirtschaftsgeschichte der früheren Klosterherrschaft Chotieschau

von Friedebert Volk
Das sudetendeutsche Klosterdorf Chotieschau liegt im Radbusatal (südlicher Kreis Mies) und wurde etwa 1205 vom böhmischen Adligen Hroznata als Filialkloster zu Stift Tepl gegründet


1. Vorindustrielle Zeit
a) Siedlungscharakter des Hauptortes
Von Beginn an überwiegen in den Steuer- und Bürgerlisten des Dorfes Chotieschau die Häusler. Man muß in ihnen zumeist Klosterangestellte sehen, die mit ihrer "Chaluppe" eine Art Nebenerwerbsstelle besaßen.  Chotieschau hatte somit schon sehr früh den Charakter einer Siedlung tertiärer Art, d.h. eines vom Dienstleistungsgewerbe geprägten Ortes.
Was den primären Produktionssektor angeht (Land- und Forstwirtschaft, Bergbau), gab es in Chotieschau nie mehr als drei bis fünf Vollbauernstellen. Den Rest der Gemarkung beanspruchte der Meierhof des Klosters. Ganz unter herrschaftlicher Regie stand die Forstwirtschaft. Bergbau war bis ins 19. Jahrhundert unbekannt. Nach Metall schürfte man nur außerhalb des Klostergebietes, in und bei Mies. 
Selbstverständlich gab es in Chotieschau auch Handwerker. Meist waren sie aber auch nur Dienstleister, weil sie vom Kloster berufen worden waren und ein Privileg genossen, beispielsweise durch das ihnen verliehene Prädikat „herrschaftlich“. Der Ort war daher auch keine Siedlung sekundären Bereiches (Gewerbe, Industrie), dies um so mehr, als auch die Handwerker zur wirklichen Existenzsicherung meist etwas „Urproduktion“, sprich Landwirtschaft, betreiben mußten.
Die Analyse zeigt, daß Chotieschau eine Siedlung eher tertiärer Art war, wenn auch die beiden anderen Sektoren nicht völlig fehlten.
b) Die Lebensgrundlage
Im Unterschied zu Chotieschau überwogen in den umliegenden Dörfern die "Urproduzenten", also die Landwirte. Ihr Fleiß schuf die Lebensgrundlage für die ganze Region. Das Urbar von 1367 nennt als Anbauprodukte Hafer, Gerste, Roggen, Weizen, Erbsen, Mohn und Flachs. Verschiedene Hinweise auf Wiesen und Abgaben von Käse deuten auf eine rege Viehzucht hin. Als das Kloster 1205 gegründet wurde, waren ihm 18 Dörfer untertan. Bis 1373 erhöhte sich diese Zahl auf 54. Obwohl Chotieschau damit nicht zu den größten Grundherrschaften Böhmens gehörte, war es mit 330 Schock Groschen der größte Steuerzahler der böhmischen Krone. Man wird darin einen Gradmesser für die Tüchtigkeit seiner Landwirte sehen dürfen, denn die Klima- und Bodenverhältnisse waren zwar gut, aber nicht optimal. Vielleicht sind daraus aber auch Rückschlüsse auf die Steuerehrlichkeit unserer Vorfahren möglich. Über die Abgabepflichten der Bauern belehrt uns das schon erwähnte Urbar von 1367. Gefordert wurden Naturprodukte, Geld und Frondienste (Robot) auf den klösterlichen Meierhöfen. Bekannt sind 16 Namen solcher Höfe, die aber nie alle gleichzeitig in Betrieb gehalten wurden. Die wichtigsten lagen in Chotieschau, Salluschen, Littitz und  später auch in Petersheim. Ein wichtiger Wirtschaftszweig des Klosters war die Teichwirtschaft. Archivalien über Zahl und Ergiebigkeit dieser Teiche gibt es aber erst aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts, doch ist unstrittig, daß sie schon in vorhussitischer Zeit angelegt wurden. Die größten von ihnen waren Janov, Sulkov und Lasitov.
Einen ersten, nicht nur wirtschaftlichen Rückschlag gab es durch die Hussitenkriege. Der örtliche Adel benutzte die unsichere Lage nach dem Tode König Wenzels im Sommer 1419, um den größten Teil der Klostergüter an sich zu bringen. Die Zahl der Klosterdörfer sank 1459 daher auf nur 17. Der frühere Wohlstand scheint aber 1490 wieder eingekehrt zu sein, denn der Böhmenreisende Johann Butzbach von Miltenberg berichtete, daß damals in Böhmen allgemein "das gewöhnliche Volk bei der Mittags- und Abendmahlzeit selten weniger als vier Gerichte" habe. Auch später, so z.B. im Jahre 1545,  kritisierten die böhmischen Landtage oft den Luxus des Landvolkes. Chotieschau dürfte davon keine Ausnahme gemacht haben. Als Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwunges könnte 1487 der Erwerb eines Wohnhauses in Pilsen gelten.
Der Dreißigjährige Krieg stürzte auch Chotieschau in tiefstes Elend. Schon vorher, etwa seit 1600, war  eine Steigerung der Robottage zu beobachten. Erst recht mußten sie nach der Katastrophe vermehrt werden. In Chotieschau hielt sich die Belastung aber immer noch in Grenzen, weshalb sich die dortigen Bauern 1680 auch nicht ernsthaft am Bauernaufstand beteiligten. Ein geflügeltes Wort lautete: "Unterm Krummstab ist gut dienen". Dennoch darf man sich über die Härte des damaligen Lebens nicht täuschen, insbesondere im baufreudigen 18. Jahrhundert, als  unter Probst Schmidl die monumentale Klosteranlage errichtet und die Pfarrkirche erneuert wurden. Diese Vorhaben konnten nur durch äußerste Anspannung der Wirtschaftskraft der ganzen Region verwirklicht werden und verlangten unseren Vorfahren größte Opfer ab.
Diese sollten wir um so mehr respektieren,   als,  wie schon oben bemerkt, die Klima- und Bodenverhältnisse bei uns keineswegs optimal waren, was moderne Kennziffern belegen: Bei einer Seehöhe von 358 m beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur 8,5 Grad Celsius und die jährliche Niederschlagsmenge mäßige 600 mm. Der Einfluß des Binnenklimas ist unverkennbar. Der mittelschwere Boden wird nur in einigen Spitzenlagen (etwa Horschikowitz) der ersten und zweiten Bonitätsklase zugeschrieben. Dort allerdings konnte man Zuckerrüben und Kleesamen ernten. Letzterer wurde an französische Parfümfabriken geliefert. Für das Jahr 1927 liegt eine Statistik über das Artenverhältnis im Bezirk Staab vor: 

Roggen       2028 ha,             Weizen 1491 ha,                 Hafer 1783 ha,              Gerste 1739 ha,
Zuckerrüben 123 ha,                 Klee 1565 ha,           Kartoffeln 1041 ha


2. Industrialisierung
Die Bevölkerung unserer Heimat suchte stets nach Nebenerwerb. Als Kuriosum sei dafür die "Maschenfabrikation" in Rothaujezd, Petersheim und Dorf Tuschkau genannt. Man flocht aus dem Schilf der umliegenden Teiche Einkaufstaschen (tschech.: mosna), die bis nach Bayern abgesetzt wurden. Zeitweise versuchte man es mit der Pottaschenproduktion, dann mit Heimarbeit für eine Linzer Tuchfabrik, die um 1830 bis zu 1.500 Wollspinner beschäftigte. Am beständigsten erwies sich die Biererzeugung. Neben Wiesengrund entwickelte sich besonders Staab zu einem blühenden Brauereistandort. Die ursprünglich klostereigene Chotieschauer Braustätte konnte sich daneben nur bis zum Jahre 1904 halten.
All das wurde im 19. Jahrhundert durch die großen Steinkohlenschächte in den Schatten gestellt. Die Kohlenflöze hatten die Form einer Schüssel, deren tiefster Punkt etwa bei Zwug lag. An den Rändern der "Schüssel" "biß" die Kohle aus, d.h. sie war oft im Tagebau zu gewinnen. Dort entstanden vor etwa 200 Jahren auch die ersten kleinen Schächte, deren Kohle mit sogenannten Fasunkawagen (tschech. fasunek = Leiterwagen) abtransportiert und vor allem an Schmiede verkauft wurde. In Wilkischen allerdings gründete 1854 der fränkische Baron von Lindheim auf dieser Grundlage ein bedeutendes Eisenwerk. Als sein Kohlebedarf wuchs, schritt er 1862 bei Mantau in größerem Stile zur Kohleförderung. Die Täufe betrug bald mehr als 100 m und erreichte um 1880 stolze 250 m. Tiefer konnte man nur mit "Maschinenschächten", die die "Mannschaftsseilfahrt" gestatteten, gehen. Bis dahin "fuhren" die Bergleute über Leitern ein! Von den großen Maschinenschächten wurde 1902 der Teinitzler Schacht mit einer Täufe von 421 m in Betrieb  genommen und wenig später der noch bedeutendere Zwuger Schacht mit etwa 650 m.
Der neue Energieträger Kohle lockte auch andere Industrien an. Das Eisenwerk in Wilkischen wurde schon erwähnt. Nürschan und Holleischen wurden Standorte bedeutender Glasfabriken mit bis zu 1200 Arbeitern alleine in Holleischen! Nicht zuletzt belebte sich auch das Chotieschauer Gewerbeleben. Seiler flochten Seile, Schuhmacher fertigten die hohen Schaftstiefel für die Bergleute an, Landwirte karrten die Stämme für das Grubenholz herbei,  Maurer, Zimmerleute, Schlosser und Elektriker waren beim Ausbau der Untertagestrecken tätig. Insgesamt fanden alleine am Teinitzler Schacht 1400 Arbeiter Lohn und Brot.
Als indirekte Folge der Kohleförderung kann die Einrichtung einer Tochtergesellschaft der Pilsner Skodawerke in den Werkhallen des 1921 aufgegebenen Mantauer Schachtes angesehen werden. 1944 suchte dort sogar eine Reparaturwerkstatt  für Flugzeugmotoren der Deutschen Luftwaffe Zuflucht.
Die starke Industrialisierung des Chotieschauer Gebietes spiegelte in etwa die Verhältnisse im ganzen Sudetenland wider. Dieses wies 1914 mit 54 % die stärkste Industriedichte Europas auf, vor England mit 46 % oder Deutschland mit nur 40 %! Als 1918 die CSR gegründet wurde, übernahm sie 76 % des Industriepotentials der Habsburg-Monarchie, wovon wiederum 80 % in sudetendeutscher Hand lagen.


3. Umbruch nach 1918
Das gute Arbeitsplatzangebot in den deutschen Randgebieten Böhmens zog selbstverständlich auch Tschechen aus dem Landesinneren an. Bei uns hießen diese Arbeiter „Pitlaken“, weil sie über das Wochenenden in ihre Heimatdörfer zurückkehrten und am Montag von dort in einem „pitl“ (=Rucksack, deutsch: Beutel) frische Wäsche und  etwas Proviant mitbrachten. Mit der Zeit wurden sie aber bei uns seßhaft und gründeten Familien. So nahm auch in Chotieschau die Zahl der tschechischen Familien von vier im Jahre 1885 auf mehr als 100 (oder 790 Personen) im Jahre 1930 zu. Beschleunigt hatte sich diese Entwicklung nach 1918 durch eine gezielte Siedlungspolitik Prags und einen handfesten tschechischen Wirtschaftsnationalismus, der tschechische Arbeiter deutschen vorzog. Adolf Hofmann, der langjährige Gemeindesekretär Chotieschaus, spricht vom „Schlager jener Zeit", den viele arbeitslose Deutsche zu hören bekamen: "Schicke Deine Kinder in die tschechische Schule und Du bist morgen wieder in Arbeit" (Heimatbrief 1958, S. 21). Auch bei Handelsverträgen mit dem Ausland kümmerte sich Prag mehr um den Schutz der (vorwiegend tschechischen) Landwirtschaft, als um die sudetendeutsche Industrie, was bald zu einer rasanten Deindustrialisierung des Sudetenlandes führte. Die Hinweise auf Umstellungsschwierigkeiten nach dem Krieg oder auf die Weltwirtschaftkrise überzeugen nicht, denn während bis 1934 die Zahl der sudetendeutschen Betriebe von einst 8.574 auf 4.463 sank (minus 4.111),  wuchs die Zahl tschechischer Betriebe, zum Teil auch durch Bevorzugung bei Staatsaufträgen, von 2.144 auf 6.696 (plus 4.553)! Daher sprach Wenzel Jaksch 1936 auch von "einem prosperierenden Innerböhmen" und beklagte, daß 69 % der Arbeitslosen in der CSR Sudetendeutsche waren, obwohl deren Bevölkerungsanteil nur bei 23 % lag. (Europas Weg nach Potsdam, S. 270). Die bedeutendste Werkschließung in der Chotieschauer Region betraf 1935 die Glasfabrik in Holleischen.
Das Wirtschaftspotential  des Sudetenlandes wurde erst wieder nach dem "Anschluß" 1938 voll ausgeschöpft. Leider konnte es nur kurze Zeit friedlichen Zielen dienen. Unabhängig davon steht aber fest, daß 1946 mit den drei Millionen Sudetendeutschen, darunter auch viele Tausend aus der Region Chotieschau,  eine industrieerfahrene Bevölkerung nach Restdeutschland kam, die vorzüglich geeignet war, beim Wiederaufbau mitzuwirken. 



Militärzwang vor 200 Jahren

Eine für die Heimatkunde noch viel zu wenig ausgeschöpfte Quelle sind die Gerichtsprotokolle aus früheren Jahrhunderten.  So befinden sich für die ehemalige Grundherrschaft Chotieschau etwa 30 Bände davon, beginnend mit dem Jahre 1777, im Archiv Klattau (Signatur: Chotieschau, K 220ff.).
Aus der Art der Prozeßgegenstände lassen sich recht gut Schlüsse auf die Lebensumstände unserer Vorfahren ziehen.  Einblicke in die Soziologie dieser Gesellschaft und in Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen sind möglich.  Deutlich werden auch die wichtigsten Konfliktfelder zwischen Untertanenschaft und Obrigkeit.  So fiel bei der Durchsicht der drei ersten Bände (1777-1779) die besonders große Zahl von Verfahren wegen Vernachlässigung der Robotpflicht und wegen Auflehnung gegen den Wehrdienst auf.  Offenbar deutete sich darin schon der Verfall der absolutistischen Staatenwelt wenige Jahre vor der Französischen Revolution an.
Im folgenden sollen drei, den Wehrdienst betreffende Streitfälle geschildert werden.  Bemerkenswert ist die Aburteilung der Unbotmäßigen meist gleich am Tage nach dem Vorfall und die Bestrafung durch "Karbatsch-Streiche".  Dieses Wort bedeutet Schläge mit der Riemenpeitsche und ist ungarisch-türkisch-tschechischer Herkunft.

Rigorose Rekrutierung
Benötigte der Landesherr Soldaten, ging man nicht zimperlich vor.  Die Amtswalter vor Ort suchten die geeigneten jungen Burschen insgeheim aus und holten sie in der Regel zu nachtschlafener Zeit ab. Dies kennen wir schon aus der Lebensbeschreibung des Franz Skoda, des Vaters des Pilsner Großindustriellen.  In dessen Elternhaus am Sachsentor-Zwinger erschien 1821 der Pilsner Amtsschreiber Cernowenka mit sechs "Polizeisoldaten" um Mitternacht, um Franz abzuholen.  Franz konnte fliehen und wurde dank des Einflusses seines Gymnasiallehrers Kugler auch später nicht "gehoben".  In unzähligen anderen Fällen führte die Einberufung jedoch zu Streit, Verbitterung und Widerstand.

Drakonische Strafe für den Bauern Wenig
Im Chotieschauer Oberamt wurde am 9. 11. 1778 protokolliert: Bei der "heutnächtigen Recroutierung des Knechtes Bartl Schober hat der Bauer Lorenz Wenig aus Marschgrafen sich widerspenstig gezeigt, die Tür nicht aufgemacht und dem Marktstaaber Gericht ein böses Maul angehängt".  Bauer Wenig entschuldigt sich damit, daß er "im Schlaf gewesen" sei und falsch reagiert hätte.  Diese Ausrede half ihm nicht, und er wurde zu 20 Karbatschschlägen verurteilt.


Gewissensentscheidung des Töpfers Pecher
In der Nacht vom 19. zum 20.  März sollten in Chotieschau "Mannschaften zum allerhöchsten Herrn Dienst in größter geheim- und unter der schwersten Verantwortung gehoben werden".  Der Töpfer Johann Pecher sollte helfen, die "allerhöchste Willensmeynung mitzuvollziehen", d. h. die Rekruten nachts abzuholen.  Der "hierortige Töpfer" versagte mit verschiedenen Ausflüchten und unanständigen Ausdrücken jedoch seine "Hülfe".
Das"iudicium in officio Dominii Kotischoviensis die 21.  Martly 1778 habitum" kam zu dem Schluß, daß derartige Unbotmäßigkeit mit neun Karbatsch-Streichen zu ahnden sei.  Anwesend waren 3 Oberrichter und 7 Richter.
Besonders reizvoll ist dieser Fall, weil der Delinquent anhand des Chotieschauer Ortssippenbuches genau identifiziert werden kann.  Er wohnte im Hause Nr. 77, das er am 17. 10. 1780 von seinem Bruder Wenzel für 400 Gulden erwarb.  Wenzel wird im Josephinischen Kataster als "Töpfergeselle" bezeichnet.

"Den Daumen ins Maul gestecket"
Aus dem Josephinischen Kataster bekannt sind auch die fünf am nächsten Streitfall beteiligten Personen.  Am "2.  Mey 1778" muß sich im Chotieschauer Oberamt Johann Dickh aus Pscheheischen Nr. 36 verantworten.
Er hatte den Dorfrichter von Pscheheischen, Simon Vogl (Nr. 1), zur Rede gestellt, warum er seinen einzigen, erst sechzehnjährigen Sohn "bei der letzthinnigen Recroutierung gehoben", also zum Militär geholt habe.  In Untersekerschan sei seines Bruders (wahrscheinlich Christoph Dickh, Nr. 1) einziger Sohn auch nicht gehoben worden, warum dann bei ihm?  Als das Zanken nicht enden wollte, befahl der Richter dem anwesenden Geschworenen Johann Trutschek (Nr. 38), den Dickh in Arrest zu nehmen.  Da Dickh aber des Trutschek Gevatter war, weigerte sich dieser.  Da der "Lärm" bald wieder anfing, wollte Vogl den Dickh selbst arretieren.  Dabei versetzte er Dickh zwei "Streiche".  Dickh wehrte sich, "trifft" den Vogl auch zweimal und wirft den Richter sogar aus dessen eigener Stube hinaus.
Als Vogl bald darauf "zum Abtritt" ging, überfiel ihn Dickh erneut und verabreichte ihm vier Ohrfeigen.  Den fliehenden Dickh haben sodann Vogl und Trutschek gemeinsam gefangen.  Erschwerend kam hinzu, daß Dickh bei der Gefangennahme den Vogl in den Daumen "gebüßen" hat.
Bei der Vernehmung streitet der Angeklagte ab, dem Vogl "auf dem Mist" 2-3 Ohrfeigen gegeben zu haben.  Auch von einem "Fingerbiß wisse er nichts, der Richter müßte ihm denn den Daumen in das Maul gestecket haben".
Da aber die Geschworenen Trutschek und Andreas Gutta (wahrscheinlich Kutka, Nr. 20) die Darstellung des Richters bestätigen, wird Bauer Dickh zu 15 "Karbatsch-Streichen" zur "selbsteigenen Besserung" und anderen "zur Erspiegelung" (Abschreckung) verurteilt.  Ferner wird ihm Arrest bis zur Aussöhnung mit dem Kläger angedroht.  Daher reicht Dickh "sogleich nach erhaltenen Schlägen" in der Amtskanzlei dem Vogl die Hand.                                                       
Aus dem Chotieschauer Protokollbuch vor 200 Jahren
Wie schon mehrfach berichtet, geben die Chotieschauer Protokollbücher interessante Auskünfte über das Leben in der damaligen Klosterherrschaft.
Recht häufig finden sich Eintragungen über Einsprüche von Landwirten bei Seiner Kaiserlichen Majestät wegen "abgenommenen Hofes".  Offenbar sollten immer wieder Bauern, die aus der Scholle nicht genügend Gewinn herausholten, durch neue Anwärter ersetzt, werden.
Auffallend oft wird auch gegen "Salzpascher" (Salzschmuggler) eingeschritten.  Das Amt Klattau beschwerte sich am 13. 5. 1778, in letzter Zeit "bis 100 Mann Salzpascher betretten" (also ertappt) zu haben.
Regelmäßig tauchen auch Anzeigen wegen versäumter Robot auf.  Diese Reibereien mit der "Herrschaft" endeten erst 1848 durch den Bauernbefreier Hans Kudlich.  Allerdings vertritt Josef Lewey, der frühere Ortsbetreuer von Dorf Tuschkau, die Ansicht, daß manche Bauern nach ihrer "Befreiung" viel Zeit mit Kartenspielen im Gasthaus verbrachten und so in Schulden kamen.  Oft verfielen sie dann dem Geldverleiher, der seine Ansprüche im Grundbuch absichern ließ, was man "eiserne Kuh" nannte.  Diese Abhängigkeit sei oft bitterer gewesen als die Robot (HB 1967, S. 229 f.).
Unter dem 13. 9. 1779 berichtet das Protokollbuch über verschiedene Bauern aus Pscheheischen, die  statt der geforderten zwei, nur eine Person zur "Mähung des Grumeth auf den Wostrawa" nach Chotieschau entsandt hatten.  Außerdem erschienen sie nicht, wie befohlen, schon um 7.30 Uhr, sondern erst kurz vor 9.00 Uhr, obwohl der Weg nur höchstens eineinhalb Stunden lang ist".  Der "mitgeweßte" Geschworene, Johann Truschek (Haus-Nr. 38), gibt an, "daß er die Robother auf dem Weg nicht habe fortbringen können".  Somit setzte es für die Säumigen wieder Karbatstreiche.  Nach dem josephinischen Kataster von 1785 kann man die Bestraften meist auch den einzelnen Bauernhöfen zuordnen:
 Es erhielten:

Johann, der Sohn des Anton Nadler (Nr. 29): 4 Streiche
Magdalena, die Magd des Peter Wenzlik: 5 Streiche
Anna, "das Mensch" des Josef Becher (Nr. 30): 3 Streiche
Anton, der Dienstbub des Andreas Kutka (Nr. 20): 3 Streiche
Elisabeth, "das Mensch" des Lorenz Lappat (Nr. 16): 4 Streiche
Simon, der Dienstbub des Lorenz Ihl (Nr. 12): 3 Streiche
Susanna, das Mensch" des Simon Wagner: 4 Streiche
Johann, der Knecht des Mathias Vogl (Nr. 21): 5 Streiche
Jakob, der Knecht des Friedrich Lippert (Nr. 17): 5 Streiche
Magdalena, das "Dienstmensch" des Bartl Karl: 3 Streiche
Jakob, der Knecht des Johann Lappat (Nr. 5): 6 Streiche
Eva, die Tochter des Mathias Pecher (Nr. 35): 4 Streiche
Barbara, die Magd des Johann Dick (Nr. 36): 6 Streiche
Wenzl, der Sohn des Simon Rauner (Nr. 37): 6 Streiche
Catharina, die Magd des Lorenz Janota: 3 Streiche
Gabriel, der Dienstbub des Gabriel Vogl (Nr. 15): 3 Streiche
Jakob, der Knecht des Mathias Klima (Nr. 23): 5 Streiche
der Knecht.des Josef Dick (Nr. 7): 6 Streiche
der Knecht des Bartl janota (Nr. 3 1): 7 Streiche
Dorothea, die Tochter des Mathias Haala (Nr. 2): 3 Streiche
Elisabeth, die Tochter des Heinrich Vogl (Nr. 24): 3 Streiche


In dieser."Saumsaal' war auch Mathias Spiller, der Knecht des Mathias Seeberger (Nr. 14 ?) „betretten" worden.  Da er aber Rochlowaer Untertan war, wollte er sich von den Chotieschauern nicht züchtigen lassen und hat dem "Amt nebst einem ziemlich losen Maul Trutz gebothen“.  Die Rechtsgelehrten von Chotieschau wußten sich aber zu helfen.  Sie richteten an das Rochlowaer "Würthschaftsamt" die Bitte um Gestattung der Strafe oder um Abstrafung dortselbst.  Bis zum Eintreffen der Antwort sollte der Spiller im Thorstübchen angeschlossen aufbehalten werden".
Ist nur zu hoffen, daß die Antwort nicht allzu lange auf sich warten ließ!
                                                                                                                                                                                                          Friedebert Volk      



Dobrzan - Unterschlupf für Drückeberger?

Am 20. 3. 1779 (offensichtlich zu Beginn der Frühjahrsbestellung) verfügte das "Amt“ in Chotieschau: „Sämtliche sich in Dobrzan ohne Amts-Consens befindlichen Herrschaft-Chotieschauer leibeigenen Inwohner“ müssen sich "binnen 14 Tagen auf der Herrschaft eine Wohnung aussuchen und beziehen und sollen also ihre schuldige Roboth der Herrschaft verrichten".
Überprüfung der Hohl-, Langen- und Gewichtsmaße
Das Chotieschauer Amt nahm auch die Aufgaben eines Eichamtes wahr und gab am 30.12. 1780 bekannt: "Nachdem das Jahr 1780 zum Ende geht, so will also erforderlich seyn, daß in Gemäßheit der Pollizey-Ordnung die Maß - Ellen - Gewicht visitiert werden.  Es wird demnach ein jeder Oberrichter mit Zuziehung der Geschworenen... genauest visitieren und das unächt befundenen wegnehmen und die Eigentümer dem Amt zur weiteren Bestrafung anzeigen.'
Raufereien während der Gottesdienste?
"Mittels einer Amts-Currende" vom 2. 10. 1782 an die Städte, Märkte und dann Oberrichter zur weiteren Bedeutung wird annotiert", daß die "Raufereyen unter dem Gottesdienst nachdrücksamst verboten... werden".                                                                                                                           Friedebert Volk